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J. S. Bach: Jesu meine Freude

 

Sonntag, 26. Juni 2011, 17h

Johann Sebastian Bach: Jesu, meine Freude

mit “Sarabanda” (Tübingen) und der Lutherkantorei (Bonn)

 

Als “Bachs Predigt vom Leben und Sterben” bezeichnete Albert Schweitzer die wohl gehalts- und ausdruckvollste der Motetten des Thomaskantors. Sie steht neben der Suite h-moll und dem Konzert für Oboe und Violine c-moll auf dem Programm eines Konzerts mit Werken von Johann Sebastian Bach, zu dem die Lutherkirche am Sonntag, 26. Juni, 17h einlädt. “Sarabanda” ein kürzlich gegründetes Barockorchester aus Tübingen, musiziert mit der Lutherkantorei. Die Instrumenalsolisten sind Susanne Schietzel-Mittelstrass (Traversflöte), Susanne Grützmacher (Barockoboe) und Michael Gusenbauer (Violine). Die Leitung hat Berthold Wicke.

Der Eintritt beträgt 10,- Euro

 

 

 

Herzens Weide.

Ein kurzes, sozusagen “theologisches” Vorwort zum Motto dieses Bach-Abends, das wir mit dem knalligen und knallvergnügten Motiv von Keith Haring auf der Vorderseite dieses Programms illustriert haben.

Herzens Weide? Wo findet man die? Das Herz, die Mitte. Aber was ist das: Mitte, Kern, Identität? Für Johann Franck, den Verfasser des Choraltextes, den Bach seiner Motette zugrunde gelegt hat, war das klar: Jesus. “Jesu, meine Freude”. Die innige Jesus-Frömmigkeit des 17. Jahrhunderts wird den meisten von uns heute fremd sein und kaum noch nachvollziehbar. Nachvollziebar, ja, faszinierend aber doch die Erfahrung, die sich in Francks Liedtext niederschlägt: die Erfahrung, dass wir standhalten können, dass etwas in uns auch den bedrängensten Erlebnissen gegenüber widerstehen kann. “Gottes Macht hält mich in Acht.”- “Trotz der Furcht”

Trotz! Alle Gewalt hat nicht die Macht vorzudringen ins Herz, in die Mitte der Identität. Christliche Gelassenheit!

Gelassenheit? Was ist mit den furchterregenden Erfahrungen des 30jährigen Krieges, durch die Johann Franck hindurchgehen musste, den Exzessen von Gewalt? Was mit der Allgegenwart des Todes in Bachs Biographie (von 19 Kindern starben 9 bevor sie 5 Jahre alt waren)? Der Tod: die allgegenwärtige conditio humana – aber eben doch nicht die Macht, die das Leben bestimmt. Das Herz, die Mitte des Lebens, der Geist der Freiheit und der Liebe sind nicht zerstörbar. Bachs Ton zuversichtlicher und tröstlicher Gelassenheit zeugt davon. Ebenso das schlichte Vertrauen des Römerbriefs: Nichts kann uns scheiden, weder Tod noch Leben, weder Hohes noch Tiefes, von der Liebe!

Herzens Weide.

Wo ist die Mitte? Zweiter Anlauf: Die Mitte von Bachs Motette ist eine Fuge über das Paulus-Wort aus dem Römerbrief (der zweiten Textquelle der Motette): “Ihr aber seid nicht fleischlich sondern geistlich.” Das klingt nach Absage an sinnlichen Genuß, Absage an die Freuden der Sexualität. Und wurde in der Tat ja häufig so (miss-)verstanden. Dabei geht es hier nicht um Moral: “Denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht, hat mich frei gemacht” hören wir Bach an anderer Stelle Paulus zitieren Wenn “Geist” also für “Leben” steht und für das, was frei macht und groß, wäre “Fleisch” das, was bindet, einengt, klein macht. Und davon sich zu befreien wäre Kern und Stern unseres Lebens.

Trost und Stärkung. Wie werde ich fertig mit den Kränkungen und Grenzen des Lebens, was schenkt Geborgenheit? Bezüglich dieser traditionellen Grundfragen des Glaubens haben sich die Akzente verschoben: Wir kämpfen möglicherweise weniger mit den Grenzen unseres Lebens als gerade mit den vielfältigen, den unbegrenzt scheinenden Möglichkeiten, mit dem zwanghaften Anspruch alles erleben zu müssen, was wir erleben könnten, alles erreichen zu müssen.

Was ihr seid, das ist Geschenk. Geschenkte Freiheit – vielleicht dies das Zentrum paulinischer Theologie, jedenfalls auch heute noch die Ermutigung zur Freiheit, einer Freiheit gerade und auch davon, alles erleben und erreichen zu müssen. Wer wir sind, hängt nicht ab von unseren Erfolgen oder unserem Scheitern.

Wovon dann? Vielleicht kann Bach es uns mit seiner Musik besser sagen, als wir es uns selber sagen könnten...