4. Musik am Taufstein Beethovens, Rezension des GA


General-Anzeiger
14. Juni 2011
4. Musik am Taufstein Beethovens

Bach kann auch swingen

Berthold Wicke in St. Remigius

von Guido Krawinkel

Rund um Johann Sebastian Bach drehte sich das Programm, das Berthold Wicke bei der vierten Musik am Taufstein Beethovens in der Kirche St. Remigius in Bonn präsentierte. Die vom Beethoven Orchester verantwortete Reihe
wird ausschließlich von Bonner Organisten bestritten und erfreut sich immer noch großer Beliebtheit. Das fast bis auf den letzten Platz besetzte Mittelschiff sprach jedenfalls für sich.

Mit einer Bearbeitung der C-Dur Sonate für Violine solo (BWV 1005) von Hehnut Bornefeld eröffnete Wicke sein Konzert. Hier beeindruckte neben glasklar und prägnant wiedergesebenen violinistischen Spielfiguren vor allem der zweite Satz, eine komplexe und recht verwinkelte Fuge,die
Wicke ebenso planvoll wie differenziert spielte.


Die Passacaglia und Fuge c-Moll (BWV 582) interpretierte Wicke in erfreulich altmodischer Manier. Er registrierte das Stück so, wie man es noch aus vielen Aufrrahmen aus
den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts kennt. Nach verhaltenem Beginn steigert sich das Stück stetig, die einzelnen Variationen werden stets durch andere Registrierungen voneinander abgesetzt. Auch hier war der Gesamteindruck, den Wicke mit seiner planvoll aufgebauten lnterpretation hinterließ, ein ganz und gar homogener und überzeugender.
Außer eigenen Werken des
Thomaskantors gab es auch Werke, die von diesem inspiriert wurden, zu hören. Mit Franz Liszts Präludium und Fuge über BACH spielte Wicke einen Klassiker, der, auch wenn man der sehr sanglich klingenden Remigiusorgel zuweilen doch ein wenig mehr klangliches Fundamenl wünschen würde, durchaus stimmig geriet. Und das rührte nicht zuletzt daher, dass Wicke eben nicht so spielte und registrierte, dass man ständig darüber nachdachte, was man denn noch alles für eine optimale Darstellung brauchen würde, sondern so, dass er die vorhandenen klanglichen Ressourcen optimal ausnutzte.

 

Das war insgesamt sehr eindrucksvoll und mit "Bach to swing" von Claude Bolling gab es, nach so viel würdiger Ehrerbietung für Bach am Schluss noch ein nettes Schmankerl.